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Vorstoss-Entwurf: Wissensarbeit als Bildungsziel?

Aus den Reihen der Blog-Community ist nachfolgender Beitrag eingegangen - super! Wir freuen uns! - Was meinen Sie zum Thema "Wissensarbeit als Bildungsziel"? - Danke für Ihren Input.

Blog von Thomas Auer, Wissensmanager auer@hrm-auer.ch

Der Bundesrat wird aufgefordert, in Zusammenarbeit mit dem BBT eine Wegleitung zu erstellen, deren normatives Ziel die Anpassung des Bildungswesens an die Herausforderungen der Wissensgesellschaft ist. Gefordert wird eine Metakompetenz, die gestattet, situativ und aufgabenbezogen das vorhandene Wissen und Können zu erweitern, zu nutzen und diese Vorgänge zu reflektieren. Die operationalisierten Bildungsziele sind fundierte Grundkenntnisse über die Wissensarbeit; primär für jene Curricula, welche im Kontext mit einer ökonomischen Denkweise stehen. Dies schliesst instrumentale, organisationale und soziale Aspekte mit ein.

Begründung:
Die Ansprüche der Wissensgesellschaft führen dazu, dass funktions- und berufsorientierte Organisationen ihre herkömmlichen Leistungsprofile revidieren: In der Arbeitsorganisation verlieren fachspezifische Spezialisierungen bestimmter beruflicher Qualifikationen an Gewicht. Hingegen gewinnen die produktionsnahen, wissensintensiven Dienstleistungen an Bedeutung. Dies umfasst die Wissensproduktion, -reproduktion, -distribution, -verwertung und -logistik auf der individuellen, organisationalen und institutionellen Ebene, wobei die drei Bereiche Mensch, Technik und Struktur aufeinander abzustimmen sind. Anders ausgedrückt umfasst die umschriebene Wissensarbeit auf allen Ebenen Aufgaben wie beispielsweise:

Informationen finden, aufnehmen, verarbeiten, reflektieren, bewerten
– Informationen in Kontexte einbetten, mit Bedeutung versehen, daraus Wissen generieren
– Wissensinhalte in einem kollektiven Gedächtnis speichern
– Wissensinhalte an andere weitergeben, vermitteln, verteilen
– Wissensinhalte mit anderen kooperativ austauschen und gegenseitig ergänzen
– Wissen anwenden und in Handeln umsetzen
– wissensbasiertes Handeln bewerten
– Das Erlernen der oben genannten Teilaufgaben, den „Umgang“ mit Informationen und Wissen
– „Wissenspflege“ (wie Aktualisierung, Eliminierung, Strukturierung) betreiben
– neues Wissen „kreativ“ entwickeln
– Wissen transferieren etc.

Die Frage stellt sich demnach nicht, für welche Curricula die «Grundlagen, Instrumente und Prozesse der Wissensarbeit» eine supplementäre Bildungsforderung sein könnte. Die Frage ist einzig, ab welchem Bildungsniveau dies eine Notwendigkeit ist.

Vorstossentwurf: Pflichtfach „ICT-Werkzeugkunde“

Diskutieren und ergänzen Sie den untenstehenden Entwurf eines Vorstosses, den die CVP lancieren will? Einverstanden? Änderungswünsche? Anregungen? Benutzen Sie die Kommentarfunktion des Blogs!
Der Bundesrat wird aufgefordert, sich in Zusammenarbeit mit der EDK auf Richtlinien zu einigen, die sicherstellen, dass in der Schweiz eine Matura nur erhält, wer auch über das notwendige Rüstzeug im Bereich ICT verfügt. Er wird deshalb eingeladen, eine Revision der Verordnung über die schweizerische Maturitätsprüfung vom 7. Dezember 1998 (SR 413.12) sowie eine Anpassung der  Verwaltungsvereinbarung zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) über die Anerkennung von Maturitätsausweisen vom 16. Januar/15. Februar 1995 zu prüfen, die im Interesse eines produktiven und wirkungsvollen Einsatzes von ICT sicherstellt, dass jeder Maturand bzw. jede Maturandin mindestens 1 Jahr eine Wochenstunde „ICT-Werkzeugkunde“ genossen hat.
 
Begründung
Über 70 % der Schweizerinnen und Schweizer sind so genannte Wissensarbeiter/-innen: Das heisst, dass sie ihre Arbeit in der Regel an Computern vor dem Bildschirm tätigen. Ihre Haupttätigkeit findet ihren Niederschlag in auf Computern getippten Dokumenten.
Bereits mehrmals wurde die Integration von ICT in den Schulunterricht in parlamentarischen Vorstössen thematisiert, so zum Beispiel im Postulat von Kollege Wiedmer  (04.3024 – Postulat - Die ICT-Revolution und der Denk- und Werkplatz Schweiz). In der Beantwortung dieser Vorstösse wurde dem Anliegen immer Aufmerksamkeit und Berücksichtigung versprochen.ICT CVP
Neben dem grundsätzlichen Anliegen, dass zukünftige Wissensarbeitende die Grundsätze des Werkzeugs „ICT“ verstehen, kritisch anwenden und produktiv einsetzen sollten,  wurde ein zentraler Punkt, der in der Praxis zum Tragen kommt, bis dato kaum thematisiert: Die Beherrschung des Zehnfingersystems beim Tastaturschreiben ist ein entscheidender Faktor beim produktiven Einsatz von ICT; Praktiker, als auch jene, die sich bei der Verfassung von Texten mit dem „System Adler“ behelfen müssen (drei Mal kreisen und dann den richtigen Buchstaben treffen) können jedoch bestätigen, dass es oft nicht nur an mangelnden Kenntnissen von Programmen, sondern auch an der mangelnden Beherrschung des Tastaturschreibens liegt, dass ICT nicht produktiv eingesetzt wird.
Der volkswirtschaftliche Gewinn einer solchen Massnahme kann nur vermutet werden; er dürfte jedoch in die Milliarden gehen, wenn Texte in Zukunft dank perfekter Beherrschung des Werkzeugs ICT – und auch des Zehnfingersystems - drei Mal schneller verfasst werden können. Damit würde mehr Zeit zum Denken und für Innovationen geschaffen – was dem Denk- und Forschungsplatz Schweiz weiteren Aufschub verleihen wird.